David Grays übliche Verdächtige


                         Poster zum Film "Die üblichen Verdächtigen"


Noch ein Blog


Na klar, noch ein Blog, den die Welt nicht braucht.  Und wer ist schon David Gray, dass er das Internet mit seinen Postings zumüllt, wenn es doch so schon mit Texten überfrachtet ist, die kein Mensch je liest oder braucht. 
Das klassische Hammer-Argument gegen die Eröffnung eines neuen Blogs.
Und es gibt sogar noch mehr Argumente, die gegen David Grays neuen Blog sprechen.
„Du schreibst einen Blog David? Das geht nicht gut. Das KANN gar nicht gut gehen. Du hast schon immer ein großes Maul gehabt, ganz gleich, ob nun schreibend oder redend. Du wirst Dich um Kopf und Kragen schreiben in Deinem blöden Blog. Viel Spass dabei!“
„Oh David, Du schreibst einen Blog? Obwohl Du natürlich die drei bis fünf Leute, die Deinen Blog lesen werden, eigentlich auch anrufen könntest, falls Du der Meinung bist, denen irgendwas Neues mitteilen zu müssen. Aber ist andererseits vielleicht ganz okay so – auf die Art sparst Du Telefongebühren.“
"Ah, David Gray schreibt jetzt auch nen Blog! Sicher, war ja zu erwarten. Jeder hat heutzutage nen Blog. Weshalb also nicht auch David Gray? Da wird sowieso kein einziges ehrliches Wort zu lesen sein. Er wird den Blog vollmüllen mit Werbung für sein blödes ebook auf Amazon. Ein Marketingtool – mehr nicht.“

Okay soweit, die Argumente, die  gegen einen Blog sprechen.
Es gibt allerdings auch einige, die dafür sprechen. 

Zum Beispiel, das jeder, der weiter oben angeführten Einwände zwar berechtigt ist, aber es ja trotzdem eine Herausforderung darstellt, die Leutchen, die diese Einwände vorbringen, eines Besseren zu belehren. 
Also versuch ich das doch mal ....
Für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass sich irgendwer auf diesen meinen Blog verirrt, der noch nie zuvor von mir hörte und daher nicht zu den etwa fünf Menschen zählt, denen ich die Eröffnung meines Blogs per Mail mitteilte, bin ich wohl gezwungen, mich kurz vorzustellen.    

David Gray:
Geboren 1970, lebt in Hamburg, wo er als Filmkritiker für verschiedene überregionale Zeitungen tätig ist. Neben Geschichte und Philosophie begeistert er sich für Kriminalromane und Thriller der härteren Sorte. Seine Biographie umfasst längere Aufenthalte in Südostasien, Großbritannien und Irland. Seine gewöhnlich zu knapp bemessene Freizeit verbringt er gerne beim Bergsteigen und Segeln.

Verstanden?
Okay.
Dann ist ja alles in Butter.
Abgesehen von einem winzigen Schönheitsfehler.
David Gray ist ein Pseudonym.
Zwar entsprechen die oben genannten Eckdaten durchaus den Tatsachen, ich bin Journalist, ich arbeite zuweilen als Filmkritiker, und ich verbrachte auch einige Zeit in Südostasien, Irland und UK, ich gehe zudem auch ganz gern klettern und liebe zu segeln (wenn ich auch eine ziemliche Niete dabei bin) 
Nur der Name – der ist eben nicht korrekt.
Dennoch werde ich ihn hier beibehalten.
Das hat Gründe.   
Zu schreiben – ob nun in Form von Romanen, Shortstories oder Artikeln – macht tatsächlich einen großen Teil meines Lebens aus.
Doch besteht mein Leben eben auch noch aus anderen Bereichen. Und diese Bereiche haben nichts mit der „öffentlichen Figur“ David Gray zu schaffen und verdienen es daher soweit als irgend möglich davon abgegrenzt zu werden.  
Ich kann durchaus nachvollziehen, dass sich an dieser Entscheidung, der eine oder andere da draussen, stossen mag.
Man könnte immerhin mit einer gewissen Berechtigung argumentieren, dass es mir nicht ernst sei mit meinen Einträgen hier, wenn ich dabei ja meinen eigentlichen Namen nie benutze und deshalb kaum Konsequenzen zu befürchten hätte,  falls ich hier über irgendwen oder irgendetwas, das mir auf den Nägeln brennt, herziehen sollte.
Nichts, was ich hier poste, könnte wahrscheinlich die Meinung solcher Leser ändern.
Und weshalb sollte es das auch? 
Jeder ist berechtigt zu seiner eigenen Meinung. Und ich wäre stets der erste dieses Recht hoch zu halten und zu verteidigen.
Andererseits: hindert nichts auch diese User daran, den ein oder anderen Blogpost hier, witzig, spannend, unterhaltsam oder gar in irgendeiner Weise für ihr eigenes Denken anregend zu finden. 

Abgehandelt


Hätte ich jetzt also Vorstellung und Vorrede hinter mich gebracht, taucht die sehr berechtigte Frage auf: Worum geht’s denn nun in David Gray’s Blog?
Natürlich darum meine Bücher zu hypen!
Worum denn sonst?
Blogs sind ein erprobtes Marketinginstrument und weshalb sonst sollte ich mir die Mühe machen diesen Blog zu erstellen, wenn ich mir nicht einen Vorteil daraus erhoffte?
Aber: Dieser Blog ist auch als eine Art Forum gedacht.
Genauer: ein Forum für Autoren und Leser, die etwas über die Fallstricke und Glücksmomente des Schreiber-Alltags erfahren mögen.  
Noch Genauer: Den Schreiber-Alltag eines Indie-Autoren, denn genau das bin ich eben seit ich meine Romane auf amazon.de als Kindle ebook veröffentlichte: ein Indie Autor. (Im Fachjargon zuweilen auch etwas salopp als „Indianer“ bezeichnet.)



Die üblichen Verdächtigen


                                                      Karikatur von Loriot



In den seltenen Fällen, das irgendwer über dunkle Kanäle und mit Hilfe furchtbarer Intrigen darauf gekommen ist, womit Herr Gray den (geringeren) Teil seines Geldes verdient - dem Verfassen von Romanen nämlich - wird Herr Gray im Anschluss meist mit einer Reihe Fragen konfrontiert. 
Dieser Katalog von Fragen ähnelt sich jedes Mal auffallend.  Ich taufte ihn daher „Die üblichen Verdächtigen“.
Ich bin sicher, dass ich längst nicht der einzige Schreiber bin, der mit diesen „üblichen Verdächtigen“ zurande zu kommen hat und will sie daher hier in aller Öffentlichkeit sozusagen ein für alle Mal abhandeln.

Die drei Klassiker schlechthin: 

Frage:

Wann fallen Ihnen ihre Geschichten ein?

Antwort:

Ich weiss es nicht. Oder genauer: es existiert einfach keine Regel, auf die man den Daumen legen könnte. Ich weiss das hört sich jetzt womöglich für manche Leute sehr merkwürdig an, aber es ist dennoch wahr: mir ist schon ein Plot für eine Shortstory auf dem Männerklo einer Disko eingefallen. Eine andere Geschichte erschien plötzlich in meinem Hirn, während ich auf dem Dach eines Busses, der zwanzig Jahre älter war als ich, in Ostnepal eine Bergstraße herauf fuhr und dabei meine Bergschuhe von einer mitreisenden verängstigten Ziege angeknabbert wurden. 
Wenn für mich in dieser Beziehung überhaupt  irgendeine Art von Regel existiert, dann lautet die, dass mir immer dann, sobald irgendeine Deadline näher rückt, ganz bestimmt NICHTS einfällt.

Frage:

Weshalb schreiben Sie, Herr Gray?

Antwort:

Es gibt einfach nicht viel, wozu ich sonst tauge. Obwohl ich einen Nagel in eine Wand schlagen könnte, ohne mir dabei die Finger mit Blutergüssen zu verzieren, bin ich kein besonders guter Handwerker.  Ich kann auch nicht mit fünf Bällen gleichzeitig jonglieren und im Musikunterricht habe ich in der Schule war meine Lehrerin so gnädig mich die Texte der Lieder, die alle anderediesungen, sondern als Gedichte aufgesagt, was meine lehrerin für einen Dienst sowohl an der Musik als auch meinen Klassenkameraden hielt. Dass es mit einer Sangeskarriere für mich nichts werden konnte, wurde mir daher schon in einem recht zarten Alter klar.
Was ist mit den anderen Professionen, in denen sich Leute mit einem eher mittelmäßigen Talentlevel gewöhnlich sonst so tummeln? Was ist mit einer Versicherungskarriere, oder einer bei einer Bank, oder in irgendeiner Nische im Beamtenapparat, zum Beispiel als Lehrer oder – weshalb nicht? – Polizist?
Sicher davon stand mal einiges zur Debatte.
Dennoch wusste ich etwa zur selben Zeit, als ich einsah, dass es mit einer Gesangskarriere nix werden würde, dass es im Grunde nur drei Schulfächer gab, in denen ich ohne viel dafür tun zu müssen, stets ganz passable Noten erzielte:  Deutsch, Geschichte und Kunst.
Nachdem mir ein netter Kunstprofessor mittelte, dass mein Zeichnerisches und Malerisches Vermögen womöglich tatsächlich um ein bis zwei Punkte über dem meines musikalischen Talentes lag, aber nur deswegen längst nicht ausreichte, um es in der Bildenden Kunst zu mehr zu bringen, als bloß einer Lebensstellung als Sozialhilfeempfänger, blieben noch: Deutsch und Geschichte. Und obwohl es von da ab immer noch eine Weile dauerte, bis ich die Berufsnische fand, in der ich mich nunmehr eingerichtet habe, war es trotzdem von Anfang an eigentlich nur eine Frage der Zeit, das zu werden was ich heute bin: ein freier Journalist und Autor.
Na klar – der Verdienst könnte besser sein. 
Aber Geld ist auch nicht alles im Leben, oder?

Frage:  

Kann man schreiben lernen?

Antwort:

Zweifellos. Ein einziger Blick in eine deutsche Grundschule sollte auch den größten Skeptiker in dieser Beziehung rundum befriedigen. 
Falls die Frage allerdings darauf abzielte, ob man fiktionales Schreiben lernen kann, lautet meine Antwort schlicht und ergreifend: ich weiss es nicht. Ich habe nie einen Creative Writing Kurs besucht. 
Mit Sicherheit weiss ich nur eines: die beiden entscheidenden Eigenschaften es in der Schreiberei zu irgendetwas zu bringen, bestehen 1) in Geduld  und 2) in der Bereitschaft für harte Arbeit.




Kommentare:

  1. Hallo David,
    die Seite liest sich wunderbar kurzweilig!

    Einige Fragen habe ich dennoch. Woher nimmst Du die Energie, diesen Blog zu führen? Was treibt Dich an? Ich finde, Du bist nicht sehr aggressiv darin Deine Bücher zu "hypen".
    Ist es nicht eine undankbare Sache? Man legt alles offen, ähnlich einem Tagebuch und erhält wenig positive Resonanz.
    Oder schreiben Dir Oma, Tante, Mutter und LAG dazu? :-) (Zwischen Tante und Mutter fehlt da oben übrigens ein Komma - es sei denn, Deine Tante wäre auch gleichzeitig Deine Mutter - hmmm - das wäre ja schon fast wieder was für 'ne Kurzgeschichte)

    Mir gefällt jedenfalls das Geschriebene und ich wünsche Dir noch ganz viele Ideen für viele Geschichten!

    Liebe Grüße
    Anne

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  2. Hi David,

    ich kann mich meiner Vorgängerin nur anschließen - die Seite liest sich kurzweilig und kommt witzig und sehr sympathisch "rüber". Harte Arbeit, die Schreiberei... ja, da kann ich dir nur zustimmen. Zumal Geduld auch nicht eine meiner hervorstechendsten Eigenschaften ist.. Aber wenn man einmal angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören, oder?

    In diesem Sinne beste Grüße

    Miriam

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