Montag, 7. Januar 2013

Thriller ohne Killer

„Der Preis“ , mein letztes E-Book, ist ein Thriller der ohne Killer auskommt.  Erzählt wird darin die Geschichte der Milena Fanu, einer scheinbar unbedeutenden Versicherungsangestellten, die eines Tages von falschen Kriminalpolizistren entführt und anschließend in einem schallgedämpften Raum festgehalten und einer Psychofolter unterzogen wird.   Der Spannungsfokus des Buches liegt dabei eher auf der Psychologie seiner Helden, als darauf mit möglichst vielen, möglichst bizarr angerichteten Leichen Grauen zu erregen. 
Nicht das Grauen, welches möglichst blutig und ungewähnlich bizarr angerichtete Mordopfer auslösen, steht also im Mittelpunkt des Romans, sondern der Umgang mit Traumata, die Auswirkungen von Folter und die Grenzen von Ethik und Moral in unserer Gesellschaft. 
Wem solche eher "großen Fragen" zu abschreckend, oder gar langweilig erscheinen, dem sei versichert, dass "Der Preis" dennoch natürlich ein lupenreiner Thriller ist - und ein spannender und gut lesbarer noch dazu. 

Aber dieser Blogpost ist eine gute Gelegenheit einige der Themen unds Begriffe zu erläutern und zu vertiefen, um die es in "Der Preis" eben auch geht.



Seit es Polizeiorganisationen und Geheimdienste gibt, wird in deren Auftrag daran geforscht einen möglichst narrensicheren Weg zu finden, wie man Verdächtigen entweder ein Geständnis entlockt oder ihnen ganz und gar den eigenen Willen zu brechen. Schon die Hexenjäger der Heiligen Inquisition verfassten geheime Traktate darüber, wie es gelingen könnte, Ketzer, Hexen und Hexer auch ganz ohne körperliche Folterungen dazu zu bringen ihre „Missetaten“ ein zu gestehen.
Besonders hervorgetan in dieser dunklen Kunst der psychologischen Folter haben sich französische Armeeangehörige, die während des Algerienkrieges damit beauftragt waren die algerische Befreiungsbewegung FLN zu zerschlagen.  
Die Ironie der Geschichte wollte es, das einige der Offiziere und Agenten, die in Oran und Algier damit befasst waren FLN-Angehörige zu verhören, kaum zehn Jahre zuvor als Resistance Kämpfer selbst in  den Folterkellern der Gestapo und des SD  gelitten hatten.
Als sich der Aufstand der algerischen Befreiungsbewegung immer weiter ausdehnte und es in rascher Folge überall im Land zu Guerillaangriffen und verheerenden Bombenanschlägen kam, verlor man im Hauptquartier der französischen Armee auch die letzten Skrupel und gab Befehl mit äußerster Härte gegen gefangene Guerillas oder Bombenleger vorzugehen. 
Man gab den Befehl zur Folter von Gefangenen.  

 Eine Durchsuchung französischer Soldaten während des Algerienkrieges. 
Quelle: Arte.TV 

So kam es, dass innerhalb von wenigen Jahren die französische Armee, die bis dahin umfassendsten Studien und Feldversuche über moderne Folter und Foltermethoden betrieb.
Nach dem Ende des Algerienkrieges wurden Französische Verhörspezialisten von der CIA eingeladen um in den USA Offiziere und Geheimagenten in Verhörtechniken zu schulen.
Diese geschulten Agenten und Offiziere fanden sich dann in Lateinamerika wieder, wo sie den Militärangehörigen faschistischer Juntas  Nachhilfeunterricht in Punkto verschärfte Verhörtechniken erteilten, wie man dies damals nannte.
Nur wenig verfeinert finden jene Techniken auch heute noch ihre Anwendungen. Auch und vor allem im „Krieg gegen den Terror“ der USA. 

Aber auch Israel, China, dem Iran und anderen Ländern wirft man vor, regelmäßig Folterungen an Gefangenen durchzuführen. 

Lynndie England, Soldatin der US Armee, stationiert im Gefängnis Abu Ghuraib, der man Folterungen an männlichen  Gefangenen vorwirft

Heute unterscheidet man draußen „im Feld“ auch gar nicht mehr zwischen körperlicher Folter - Stichwort: Waterboarding  - und „Weißer Folter“, das heißt Psychotortur. 

Was dort zur Anwendung kommt ist offenbar eine von Spezialisten abgestimmte Mischung aus beiden Formen des verschärften Verhörs.  
In „Der Preis“ interessierte mich jedoch nur die „Weiße Folter“. Ganz speziell ging ich während der Recherchen zu dem Buch der Frage nach, mit welchen Methoden man den Willen eines Menschen brechen könnte, und zwar gerade nicht, um ihm kurzfristig einige Informationen zu entlocken, sondern eine Person langfristig - womöglich für den Rest ihres Lebens - zu „brechen“. 

Ich habe dabei viele neue Erkenntnisse gewonnen. 

Zwei dieser Erkenntnisse haben mich jedoch ziemlich überrascht bzw. schockiert.
Überrascht war ich davon, wie unkompliziert es war an einschlägige Informationen zu gelangen. Wohlgemerkt: Ich rede hier nicht von den Ergüssen, die irgendwelche Verschwörungsspinner auf ihren Webseiten verbreiten, sondern von harten wissenschaftlich untermauerten Fakten.
Regelrecht schockiert hat mich jedoch, wie weit verbreitet – offenbar auch außerhalb von Armee und Geheimdiensten – die Verwendung von „Weißer Folter“ heute zu sein scheint.

Ob es mir wirklich gelungen ist die Spannung in „Der Preis“ von der ersten bis zur letzten Seite zu halten, müssen die Leser entscheiden.
Doch will ich das Buch auch all jenen ans Herz legen, die sich wie ich schon aus reiner Neugier mit den Abgründen menschlichen Verhaltens beschäftigen. 


 Poster zum neuesten Bond - Abenteuer "Skyfall"
In der Realität ist die Arbeit von Geheimagenten weit weniger aufregend und glamourös.   

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